Presse-Information vom 22.12.2009
Konjunkturumfrage "Mittelstand 2010"
Kleine Unternehmen haben bessere Geschäftserwartungen als Große
Mittelstandsbarometer steigt wieder – Mehrheit will Personal halten
Berlin. Die derzeitige Geschäftslage vieler kleiner und mittlerer Unternehmen hat sich zum Jahresende wieder verbessert. Für die Geschäftserwartungen gilt: Je kleiner die Unternehmen, desto optimistischer ist ihr Blick auf das Jahr 2010. Auf dem Arbeitsmarkt bleiben die kleineren Mittelständler Garanten der Stabilität. Nur 14 Prozent mussten im vergangenen Jahr betriebsbedingt Mitarbeiter kündigen. Dies ist das Ergebnis einer Konjunkturumfrage des BDS zum Jahresende unter Federführung des Bundes der Selbständigen Baden-Württemberg (BDS) unter 1003 Unternehmen.
Der Umfrage entsprechend bewerten rund 28 Prozent der befragten Unternehmen ihre derzeitige Geschäftslage als gut. 51 Prozent sind immerhin zufrieden, rund 22 Prozent der Unternehmen bezeichnen ihre aktuelle Geschäftslage als schlecht. Damit überwiegt der Anteil derjenigen Unternehmen, die mit der aktuellen Geschäftsentwicklung zufrieden sind, wieder deutlich.
Etwas schlechter sind die Aussichten für das erste Halbjahr 2010. Hier erwarten bis zur Jahresmitte rund 21 Prozent eine gute Geschäftsentwicklung. Dem stehen 30 Prozent (Sommer: 29 Prozent) der Befragten gegenüber, die schlechte Erwartungen in die erste Jahreshälfte 2010 haben. 48 Prozent (48 Prozent) erwarten einen befriedigenden Verlauf im ersten Halbjahr 2010. Die Einschätzung liegt damit auf dem Niveau des vergangenen Sommers.
Das BDS-Mittelstandsbarometer, das die aktuelle Geschäftslage und die Geschäftserwartungen der Mittelständler zusammenfasst, ist insgesamt von „minus 2,4“ auf „minus 1,3“ Punkte gestiegen (Graphik 1).
Ungleiche Branchenentwicklung: Industrie am Boden, Dienstleister stabil
In den unterschiedlichen Branchen (Graphik 2) ist die Entwicklung wie in den vergangenen Jahren uneinheitlich. Die Industrie, die jahrelang der Garant für eine prosperierende Wirtschaftsentwicklung im Land war, hat zwar den freien Fall beendet, liegt aber weiterhin am Boden. Aktuell geben 7,9 Prozent (Sommer: 6,3 Prozent) der Industriebetriebe eine gute persönliche Geschäftslage an. Bei den Geschäftserwartungen fürs kommende Halbjahr liegt der Wert ebenfalls bei 6,3 Prozent (11 Prozent). Allerdings ist der Anteil derjenigen mit einer schlechten Einschätzung der Geschäftserwartungen von 48 Prozent auf 41 Prozent gesunken.
Im Gegensatz dazu ist die Situation bei den Dienstleistern und freien Berufen schon fast rosig. Nach einer kurzen Auftragsdelle im Sommer hat sich deren aktuelle persönliche Geschäftslage wieder deutlich verbessert. 31 Prozent geben eine gute Geschäftslage an, nur 20 Prozent der Dienstleister bezeichnen die Lage als schlecht. Auch bei den Zukunftserwartungen sind die optimistischen Stimmen mit 27 Prozent (gut) zu 21 Prozent (schlecht) in der Überzahl.
Unterschiedlich ist die konjunkturelle Situation beim Handwerk. Während die aktuelle Geschäftslage als gut bis sehr gut zu bewerten ist, sind die Geschäftserwartungen fürs nächste Halbjahr deutlich zurückgegangen. Nur noch 22 Prozent sehen positiv nach vorne, rund 32 Prozent haben eher schlechte Erwartungen.
Ähnlich ist die Lage im Einzelhandel. Rund 19 Prozent mit einer derzeit guten Geschäftslage stehen rund 23 Prozent mit einer schlechten Geschäftslage gegenüber. Damit beträgt der Saldo nur „minus 4,4“, für den Einzelhandel im langfristigen Vergleich ein guter Wert. Bei den Geschäftserwartungen hingegen überwiegen mit rund 36 Prozent die Pessimisten deutlich, gegenüber 13 Prozent mit einer guten Erwartung an das Jahr 2010.
Unternehmensgrößen: Große Mittelständler geringe Erwartungen
Im Vergleich der Unternehmensgrößen (Graphik 3) hat sich der Trend aus dem Sommer deutlich abgeschwächt. Mit der derzeitigen Lage sind bis auf die Einzelunternehmen alle Unternehmensgrößen zufrieden. Für die zukünftigen Geschäftserwartungen gilt jedoch weiter: Je kleiner die Unternehmen, umso optimistischer der Blick in die Zukunft. Insgesamt zeigt sich, dass die kleineren Unternehmen zwar in der konjunkturellen Boomphase am wenigsten profitiert haben, nun aber die Krise mit geringeren Einbussen bestehen. Sie erweisen sich als Garanten der Stabilität.
Beschäftigung: Wenige Entlassungen im Mittelstand
Die Beschäftigungssituation im Mittelstand hat sich im letzten Halbjahr aufgrund der Krise etwas verschlechtert. Der Anteil der Unternehmen, die ihre Mitarbeiterzahl reduziert haben (20,2 Prozent), übertraf die Zahl der Betriebe, deren Mitarbeiterzahl zugenommen hat (14,1 Prozent). Allerdings haben trotz der schweren Wirtschaftskrise nur 14 Prozent der Befragten Mitarbeiter betriebsbedingt gekündigt. Angesichts der Krise zeigten sich die kleineren Unternehmen damit weiterhin sehr verantwortungsvoll. Auch im kommenden Halbjahr wird die Zahl der Mitarbeiter in rund drei Viertel (76 Prozent) der Betriebe konstant bleiben. 17 Prozent kündigen eine Reduzierung der Mitarbeiterzahl an. Sieben Prozent der Betriebe wollen weitere Mitarbeiter einstellen.
Investitionen: Umschwung kündigt sich an
Weltweit sind in den vergangenen Jahren die Investitionen zurückgegangen, wodurch besonders die Exportindustrie betroffen war. Dieser Investitionsstau wird sich im Aufschwung langsam legen, wodurch der Wirtschaftskreislauf in Schwung kommt. Analog verbessern sich auch die Investitionserwartungen der befragten Mittelständler. Die Zahl der Unternehmen, die ihre Investitionen verringern wollen, ist mit 33,6 Prozent im Vergleich zum Sommer (38,1 Prozent) wieder deutlich gefallen. Hingegen wollen 15 Prozent der Unternehmen wieder mehr investieren (Sommer 11 Prozent). Über die Hälfte der befragten Unternehmen planen, ihre Investitionen auf dem bisherigen Niveau zu halten.
Betriebsschließungen 2010: Umfrage macht Hoffnung
Im kommenden ersten Halbjahr 2010 rechnen viele Statistiker mit einer zunehmenden Zahl von Betriebsschließung. In der BDS-Umfrage ist der Anteil der Unternehmen, die eine Betriebsschließung ausschließen können, jedoch von 85,8 Prozent auf 86,9 Prozent gestiegen. Rund 13 Prozent der Unternehmen halten damit eine Schließung für „möglich“, „sehr wahrscheinlich“ oder haben sie bereits beschlossen. Die Entwicklung nährt die Hoffnung, dass die Zahl der Insolvenzen und Betriebsaufgaben im kommenden Jahr geringer sein könnte als die aktuellen Erwartungen.
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Das BDS-Mittelstandsbarometer Winter 2009/2010 finden Sie als PDF-Datei (259 KB) hier... |
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Sophia Otto, Telefon: 030-280491-21, EMail
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